Schon seit einiger Zeit war ich auf der Suche nach einem Fiat 500 in der Kombiversion. Im letzten Italienurlaub war ich mit tellergroßen Augen unterwegs, leider ohne auch nur einen einzigen zu sehen. Auf eBay waren schon ein paar, allerdings waren die alle zu teuer und zu gut hergerichtet. Meine anderen beiden Oldtimer waren vor dem Kauf schon hergerichtet worden, weitestgehend zumindest. Und weil man als Oldtimerfahrer immer gefragt wird “Hosd des ois sebst gmochd?” und man dann immer verneinen muss, wollte ich diesmal “ois sebst mochn”. Zusätzlich wird dann auch das “Wir-Gefühl” zwischen dem Oldtimer und dem Mensch gestärkt. *hüstel*
Naja, auf jeden Fall habe ich ein paar Wochen auf eBay.it gesucht und bin hier und da mal fündig geworden, aber so richtig war eigentlich nichts dabei. Doch dann wurde Mitte September eine Giardiniera in der Nähe von Parma angeboten. 500 Euro sollte sie kosten und das Angebot lief noch ein paar Tage. Verhandlungen, den Fiat diekt zu verkaufen stiessen beim Verkäufer zwar auf Interesse, verliefen sich aber im Sand ebenso wie die Zusendung von Bildern der kritischen Zonen des Autos. Der Hammer fiel dann endgültig bei 1.004 Euro, irgendwie hatte ich kein besonsers gutes Gefühl, aber trotzdem war ich froh, endlich eine Giardiniera zu besitzen. Auch beruhigte mich, dass der Verkäufer durchweg nur gute Bewertungen hatte und in der letzten Zeit einige ältere Motorräder verkauft hatte. Deren Käufer schienen alle zufrieden zu sein.
Das nächste Problem, das sich mir stellte, war die Organisation eines Hängers. Eine Anhängerkupplung habe ich Gott sei Dank an unserer Familienkutsche dran. Erst wollte ich beim nahegelegenen Vermietungsservice für Lastwagen, Sprinter & Hänger einen mieten, aber die Gebühr von über 120 Euro für ein Wochenende schien mir etwas hoch. Schliesslich kam mir die Idee, einfach bei der Werkstatt meines Vertrauens nachzufragen, ob diese nicht Beziehungen hätte, einen solchen Hänger zu organisieren – und siehe da, der Chef selbst bot mir seinen Hänger für 35 Euro für den kommenden Sonntag an. Ich versprach ihm dann noch ein Stück Parmaschinken mitzubringen und die Sache war geritzt.
Georg, ein Freund aus der Nachbarschaft bot sich auch an, am Sonntag mit auf die Strecke zu gehen. Nachdem ich ihm gesagt hatte, um 5 Uhr morgens losfahren zu wollen, war die Begeisterung nicht mehr ganz so groß, aber dennoch wollte er es sich nicht nehmen lassen, mitzukommen. So kam es, dass ich an einem kalten und dunklen Septembersonntagmorgen bei ihm vor der Haustüre stand und sogar noch einen Kaffee bekam. Die Strecke von knapp 600 km brachten wir bis um ein Uhr mittags hinter uns. Es lief recht gut, die letzten Kilometer fuhren wir über Land.
Dann kam der große Augenblick. Er sah irgendwie noch kleiner aus, als mein normaler 500er, als er so ganz alleine am Strassenrand auf einem grünen Filz stand. Ziemlich verloren wirkte er und ich dachte, den oder keinen. Nach einer kurzen Inspektion hatte ich allerdings wieder ein mulmiges Gefühl im Bauch. Der Boden des Fiat war weitestgehend durchgerostet und dafür mit Beton zugespachtelt worden. Das Bremspedal liess sich ohne Widerstand durchdrücken und das Gaspedal lag ziemlich schlapp daneben. Die Gangschaltung hatte sich auf den ersten und den Leerlauf beschränkt. Der Motor war komplett (und ich meine KOMPLETT) mit getrockneter Erde verdreckt, ebenso wie die Kotflügel und der gesamte Unterboden. Die hinteren Schiebefenster waren mit einem Kitt verschlossen worden, sodass man sie nicht mehr öffnen konnte. Nichts desto trotz schien der Wagen komplett zu sein, der Motor drehte und oberhalb der Gürtellinie war rundum nur Flugrost zu sehen. Klar, unten rum muss man allen neu machen, dachte ich mir, aber die Ersatzteile für den Fiat halten sich preislich (noch) im Rahmen. Allerdings stand zu diesem Zeitpunkt fest: Das wird eine KOMPLETT-Restaurierung. Perfekt, genau das, was ich haben wollte.
Anschliessend haben wir den Zwerg verladen. Es sei hier noch ein Hinweis auf die Sektion Lessons Learned erwähnt, speziell der Transport (kommt noch). Wenn man ein Auto verladen transportieren möchte, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Einen Preisnachlass von 4 Euro gabs dann auch noch, zusammen mit ein paar Unterschriften auf dem ADAC-Standardvertrag.
Nach einigen Zwischenstopps mit Neuverzurrungen, Tanken, Essen und Fahrerwechsel kamen wir schliesslich um halb12 wieder zu Hause an. Dort haben wir die ganze Nachbarschaft erfreut, indem wir den Fiat gleich abgeladen und im Carport sicher verstaut haben. Wir haben uns Mühe gegeben, leise zu sein und Euch nicht aufzuwecken. Ehrlich…
So gut, wie in dieser Nacht habe ich selten geschlafen.



