Nachdem nun endlich der Motor in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit vor mir auf seinem Schemelchen liegt, ist klar, was die nächsten Wochen anliegt. Genau: Reinigen, reinigen und, äh, Reinigen.
In diesem kleinen Abschnitt kümmern wir uns nun mal um den Vegaser. Der steckt gerade so locker flockig vorne auf dem Motor. Bei diesem schicken Bürschchen handelt es sich um einen Weber 26 OC, einen einfachen Flachstromvergaser mit einer Drosselklappe. Bisher hatte ich immer großen Respekt vor Vergasern. Gut, der bei meinem Alfa GT sieht auch etwas komplizierter aus, aber trotzdem waren mir diese vielen Schrauben, Federn und Hebel sehr suspekt. Das bekommst Du nie so hin, dass es wieder läuft, dachte ich seither. Das ist auch gut so, denn es gab bisher auch keinen wirklichen Grund an einem funktionierenden Vergaser etwas zu verstellen. Aber der hier, der hat es eben schon ordentlich nötig, mal wieder auf Vordermann gebracht zu werden. Also, nicht lange überlegen, ranklotzen.
Nach dem Lösen der drei Hauptschrauben auf der Oberseite konnte man einen ersten Blink ins Innere werfen. Das allerdings sah auch nicht wirklich sauber aus. Ganz vorsichtig nimmt man den Deckel ab, vielleicht kann man ja die Dichtung nochmal nehmen. Das allerdings hat sich auch als Hoffnungsseifenblase herausgestellt, die Dichtung hatte in den letzten Jahren ihre weiss-gelbliche Farbe gegen ein hübsches Schwarz eingetauscht. Also gleich beim Lieferant ein Vergaserüberholsatz bestellt. Hier sollte man allerdings gleich das große Paket nehmen (es gibt drei unterschiedliche mit jeweils einer steigenden Zahl an Ersatzdüsen – und steigendem Preis). Das große Reparaturkit hat auch eine neue Drosselklappe (und vor allem deren Schrauben, die SEHR gerne ausfransen) mit dabei, also investiert die paar Euros, es werden nicht die letzten sein…
Wo wir gerade beim Investieren sind: Lasst die Finger weg von Ultraschallreinigungsgeräten. Es sei denn, ihr seid Optiker und könnt sowas auch in Eurer Arbeit brauchen wie der Herr Elefantenrollschuh (Du hast immernoch was gut bei mir für die Auspuffkrümmerdichtungen von letztem Jahr). Diese Geräte kosten, wenn sie etwas taugen sollen ab 500 Euro aufwärts. Wenn ihr natürlich gerade ein bisschen Kohle übrig habt, dann sagt mir bescheid, ich habe sicherlich noch was zu reinigen….
Was ich Euch aber empfehlen kann, ist eine kleine “Handschleifmaschine”. Das soll jetzt keine Werbung sein oder sowas, aber ich habe den Dremel 300 für mich entdeckt (hmm, das klingt wirklich wie Werbung…), der kommt gerade ständig zum Einsatz. Das ist so ein kleines Handschleifgerät, in das man verschiedene Einsätze stecken kann. So in etwa, wie man das von früher von diesen Glasritzermaschinchen kennt. Es gibt verschiedene Einsätze in den unterschiedlichsten Größen und Formen. Am besten hat die kleine runde Messing- und Carbonbürste ihren Dienst verrichtet. Ich bin lieber vorsichtig, was Produktbilder angeht, aber beim Hersteller kann man auch einige Informationen abgreifen. Als Einsätze hatte ich diese Bürsten hier im Einsatz:
Gekauft habe ich das im ortsansässigen Baumarkt. Der ist nicht besonders groß, deswegen denke ich, den bekommt man überall. Der Einsatz wird dann mit 10.000 U/Min gedreht (geht hoch bis 33.000 noch was) und macht den Dreck schon ordentlich ab. Hauptsächlich habe ich die Drahtbürsten verwendet. Diese eignen sich auch sehr gut zur Reinigung der Düsen. Allerdings sollte man aufpassen, dass man eine Schutzbrille trägt und hinterher – sofern man das wie ich in der schönen warmen Küche machen muss
– gut staubsaugt. Die kleinen Metallbürstenteilchen fliegen bei ein bisschen Druck aus der Bürste raus und bohren sich schnell in Füße und Finger. Also nicht wundern, wenns am Fuß nach einem Tag ein bisschen weh tut, aber man bekommt sie mit einer Pinzette wieder gut raus. Schon getestet…
Aber zurück zum Thema Vergaser reinigen. Auch hier gilt es, auf wirklich alle Teile schön aufzupassen. Sehr empfindlich sind wie schon angesprochen die kleinen Schräubchen der Drosselklappe. Ihre Schlitze sind nicht sehr stabil und die Schrauben sollten mit ordentlich Druck und vor allem einem passenden Schraubendreher gelöst und wieder verschraubt werden. Auch die Drosselklappe selber und die Stelle, an der sie mit der Wand abschliesst sollten mit äusserster Vorsicht gereinigt werden, ansonsten schliesst die Drosselklappe nicht mehr richtig und es kann zu Problemen kommen. Auch ein wichtiger Hinweis ist, viele Fotos des Vergasers aus allen Perspektiven zu machen, weil viele Teile wie Schrauben, Federn und auch wieder die Drosselklappe in verschiedenen (falschen) Positionen verbaut werden können. Da ist es schon sehr hilfreich, wenn man im Nachhinein nochmal schauen kann wie denn alles ausgesehen hat, bevor man sich als Fachmann an die Materie gewagt hat.
Im Prinzip ist es eigentlich gar nicht so schwer, man muss mit den Bürsten eben nur aufpassen, dass man nicht zu wild an die Teilchen geht, sonst passen sie nicht mehr oder sind evtl. undicht. Aber fragt mich das nochmal, wenn ich den Vergaser eingebaut habe und vor mich hinfluche, weil nichts funktioniert.
Naja, was soll ich noch groß schreiben, im Prinzip ists einfach: grob reinigen (wenn nötig), Zerlegen, Forografieren, weiterzerlegen, weiterfotografieren, weiterzerlegen, weiterfotografieren, alle Teile reinigen (mit Seifenlauge, alle Bürsten mehrfach durchwechseln), merken, dass die schwarzen Flecken an den Messingteilen doch abgehen, nochmal reinigen, schon mal ein bisschen stolz sein, Vergasergehäuse auch ordentlich saubermachen (von aussen geht das auch sehr gut mit einer größeren Messingbürste), Vergaserreparatursatz öffnen und die entsprechenden Teile tauschen (ok, ihr solltet das vielleicht machen bevor ihr alle Teile saubermacht, nicht so wie ich, hinterher), zusammen mit den vielen Fotos den Vergaser wieder zusammenbauen, die Drosselklappe doch anders rum einbauen. Zu wenig Fotos gemacht? Tja, ich habs ja gesagt…
- gereinigtes Ausgangsmaterial
- Hier die Drosselklappe im Vordergrund
- Der Luftkanal ist auch “etwas” verengt
- Plopp, das ist der Schwimmer
- Das Innenleben
- Startervorrichtung (Choke)
- Vergaserkleinigkeiten
- Die Vorher-Nachher-Düsen
- Das Ergebnis #1
- Das Ergebnis #2
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