Ich bin mal gespannt, wie viele Teile das mit der Motorüberholung noch werden. So wie es aussieht, sicherlich 10… ;)

Nachdem ich den Kopf mitsamt den neuen Ventilen, Ventilsitzen und Zylindern (ok, das beschreibe ich erst hier) beim Werkstattmeister abegegeben habe, kommt der restliche Motorblock an die Reihe. Dieses dreckige Teil muss komplett zerlegt, gereinigt und wieder zusammengepuzzelt werden. Als guter Hilfsleitfaden hat sich das Reparaturbuch aus Turin erwiesen. Hier steht alles (kurz & knapp) drin, wie der Motor zerlegt werden muss, bis auf eine kleine Kleinigkeit, später mehr dazu.

Da während des Zerlegens noch einiges an Öl raustriefen wird, sollte die Zerlegung an einem trockenen, unempfindlichen und lüftbaren Ort durchgeführt werden. Das Öl, welches aus diesem Giardinieramotor kam, war kurz davor, ein Eigenleben zu entwickeln. Schätzungsweise 10 Jahre hatte es schon eingesperrt in dieser Aluhölle verbringen müssen, bevor es nun endlich wieder nach frischer Luft schnappen durfte.

Der Sieg über die dicke Mutter

Der Sieg über die dicke Mutter

Sinnvollerweise beginnt man mit dem Lösen der dicken 32er Mutter direkt auf der Kurbelwelle. Man sollte hier – trotz der Gewalt – sehr behutsam vorgehen. Weil die Mutter nicht besonders tief ist, rutscht man schnell ab und die Nuss zerstört die Mutter. Eventuell lässt sie sich mit einem Hammer wieder zurück in Form klopfen. Sicherheitshalber sollte man aber eine Nuss verwenden, die nicht besonders abgeschrägt ist. Nachdem die Mutter (eigentlich ist es schon eine Schraube) entfernt ist, kann man noch weitere Teile von der Achse abnehmen, welche für den korrekten Ölverlauf verantwortlich sind.

Anschliessend geht es an die Abnahme des Steuerdeckels. Ich habe natürlich zuerst den Motorblock entzweit, wodurch die ganze Sauerei zum Vorschein kam. Der Kombimotor hat keine richtige Ölwanne, in der das Öl schwimmt, nein, der Motor ist vertikal aus zwei Hälften zusammengesetzt (Schnitt von oben nach unten, also linke und rechte Hälfte). Vermutlich ist der Grund für diese Aufteilung, dass sich die Kolben waagrecht und nicht senkrecht bewegen. Wäre eine “richtige” Ölwanne wie bei der Limousine verbaut, wäre der Motorblock zu instabil. Ausserdem würde es an der Stelle der Stößelstangen für die Kipphebelbetätigung ziemlich knapp hergehen. Zurück zum Thema: wenn man also zuerst den Motorblock auseinander nimmt, kann man diesen nicht mehr stabil auf eine Arbeitsfläche stellen, ohne dass er ständig umkippt und rumsaftelt.

Die Steuerkette unter dem Steuergehäusedeckel

Die Steuerkette unter dem Steuergehäusedeckel

Der Steuerdeckel ist mit ein paar (ich glaube, 9?) 10er Schrauben verschlossen. Eine davon ist eine Doppelmutter, das kann der Grund sein, warum sich der Steuerdeckel nicht löst. Unter diesem Deckel (den legen wir mal beiseite) kommt dann die Steuerkette zum Vorschein, welche die Nockenwelle von der Kurbelwelle aus antreibt. Auf der Kurbelwelle sitzt ein kleines Zahnrad, auf der Nockenwelle das große, wobei das Verhältnis des Umfangs genau 1:2 ist, damit sich die Nockenwelle halbsoschnell dreht wie die Kurbelwelle. Wir erinnern uns (oder auch nicht): die Nockenwelle bewegt über ihre Nocken, die Stößelstangen, die Kipphebel und damit die Ein- und Auslassventile an. Weil es sich bei dem Kombi um einen Otto-Motor (4 Takter) handelt, muss sicht pro Zyklus die Kurbelwelle zwei mal drehen (Ansaugen, Verdichten, *kabumm*, Ausstossen). Beide Kolben arbeiten bei diesem Motor immer in der selben Position, aber um einen halben Zyklus versetzt, so dass wir folgendes Zusammenspiel erleben:

MotortaktablaufUmdrehung1. Zylinder2. Zylinder
1. Takt1. UmdrehungAnsaugenExplosion
2. TaktVerdichtenAusstoss
3. Takt2. UmdrehungExplosionAnsaugen
4. TaktAusstossVerdichten
Abzieher deluxe (selbst abgeflext, BOAH, ey)

Abzieher deluxe (selbst abgeflext, BOAH, ey)

Durch Flachbiegen der beiden Sicherungsbleche auf dem Nockenwellenrad können die vier Schrauben gelöst und das Zahnrad leicht abhegebelt werden. Zusammen mit der Steuerkette kann das Zahnrad abgenommen werden (auch hier wieder: vorher viele Bilder machen, damit die Kette wieder korrekt eingebaut werden kann, nicht, dass sie nachher anders herum läuft, das ist nicht egal). Jetzt kann die Nockenwelle herausgenommen werden. Um das Kurbelwellenzahnrad abziehen zu können, brauch man einem Abzieher; bitte nicht versuchen, das mit einem Schraubenzieher abzuhebeln, dadürch könnte das hintere Lager beschädigt werden. Danach löst man die sechs Schrauben des hinteren Lagers (4 x 13er, 2 x Kreuzschlitz). Haben wir eigentlich schon die Schwungscheibe auf der vorderen Seite abgenommen? Nein, dann verfahren wir hier auch so, die Sicherungsbleche zurückbiegen und die 6 Schrauben lösen. Dann lässt sich das Rad mit beiden Händen abziehen. Achtung Fuss, das Ding ist schwerer als es aussieht. Die dahinter erscheinenden 6 13er Muttern des vorderen Lagers lösen wir auch gleich.

Entfernen des ersten Zylinders

Entfernen des ersten Zylinders

Anschliessend können die beiden Zylinder abgezogen werden. Meistens klemmen sie etwas (das ist auch Absicht). Durch leichtes Klopfen mit einem Schonhammer können sie nach oben abgezogen werden. Man sollte aufpassen, die Kolben klappen wie zwei tote Vögel von der Stange. Beim Kombi war ein Kolben dabei, sich im Zylinder festzurosten. In einem solchen Fall muss man mit Gefühl und etwas Öl zum Einweichen (un Einwirkungszeit) den Zylinder abziehen. Sollte der Brennraum dabei verkratzen ist das zwar unschön, meistens muss dieser sowieso gehohnt (neu geglättet) werden. Allerdings sollten die Kratzer nicht zu tief sein, sonst braucht man später noch neue Kolben (Kosten!), hat dann mehr Hubraum, muss diesen aber unter Umständen auch anmelden und kommt in eine andere Steuerklasse, weil die nächste 100 ccm-Grenze überschritten wurde. In so einem Fall kann man auch gleich richtig tunen. Hähähääää… ;)

Nun trennen wir vom Motor die untere Hälfte ab, indem wir ringsum einen ganzen Haufen an 10er Schrauben lösen. Dadurch erhalten wir direkten Einblick ins Kurbelgehäuse mit Kurbelwelle und Nockenwelle. Die Pleuel an der Kurbelwelle sind jeweils mit zwei 13er Schrauben befestigt, die wir mit einer großen (!) Rätsche lösen. Mit einer kleinen würde es auch funktionieren, aber glaubt mir, es ist wesentlich angehmer im Handgelenk mit der großen. Danach werden die Kolben mitsamt der Pleuel nach oben herausgezogen. Am besten, ihr schraubt die beiden Pleuelhälften wieder zusammen, dann verliert ihr nix.

Lösen der Pleuelschrauben - *knack*

Lösen der Pleuelschrauben - *knack*

Mit einem Abzieher werden nun die beiden Lager herausgezogen, damit das hintere genauso kaputt aussieht, wie meines. Oh, da sind noch Sicherungsscheiben drin? Hmm, schade, das steht nicht im Werkstatthandbuch. (UND BEI EINEM SO DRECKIGEN MOTOR SIEHT MAN DIESE SCHEISSDINGER AUCH NICHT!!). Ich wollte die Lager eh erneuern. Pfff….

Nach der Ergänzung der Ersatzteilliste kann die Kurbelwelle herausgenommen werden. Jou, dann noch aus den Kolben die kleinen Ringfedern nehmen, damit die Bolzen rauskönnen – mit Gefühl rauskloppen.

So, dann haben wir noch den Steuergehäusedeckel. In dem stecken noch zwei wichtige Dinge. Erstens der Zündverteiler, der direkt von der Nockenwelle angetrieben wird. Er darf nicht von der Kurbelwelle aus gedreht werden, weil auch hier wieder das Verhältnis 1:2 einzuhalten ist. Sonst würde es in jedem Zylinder auch beim Ausstoss zünden. Hmmm…. Das könnte eine ordentliche Fehlzündung verursachen, wenn das Gemisch noch genügend Benzin enthält. Voll Flamme aus Auspuff, woisch tu?! Krasse Furz. Dem ged nix putt, weil Auto nixe chad Kad.

Drecks-Hinterlager. Isch heee.

Drecks-Hinterlager. Isch heee.

Den Zündverteiler muss man beim Kombi mit einer 13er Schraube lösen (bei der Limo ists wohl eine mehr) und ihn dann vorsichtig am Kopf  rausklopfen. Aber vorsicht: Der Verschraubungsbügel hält auch nix soo viel aus. Den Zündverteiler werde ich vermutlich ein andermal beschreiben. Auf derselben Achse ist noch ein weiteres wichtiges Teilchen des Steuerdeckels zu finden: Die Ölpumpe. Der Name Pumpe ist ordentlich übertrieben, es sind lediglich zwei ineinandergreifende Zahnrädchen, welche dafür sorgen, dass das Öl durch die diversen Gänge des Gehäusedeckels und Motorblocks gepumpt werden. Man kommt an die Pumpe, indem man den kleinen Deckel mit vier 10er-Schrauben löst. Hier kommt sicherlich auch noch der eine oder andere Ölschwall heraus. Ein Zahnrad kann man einfach so abziehen, das andere sitzt wie schon beschrieben auf der verlängerten Zündverteilerachse. Möglicherweise muss man hier etwas nachhelfen.

So, damit sollte alles zerlegt sein. Hausaufgabe bis zum nächsten Mal: Alles reinigen. In der nächsten Stunde gibt’s dazu ein paar Tricks.

Tags: , , , , , , , , , , , , , ,

Leave a Reply

You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>